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In meiner Arbeit in der Kinesiologie begegnet mir immer wieder ein Thema, das viele Menschen überrascht: die Bedeutung der Faszien. Lange Zeit standen vor allem Muskeln und Gelenke im Mittelpunkt, doch heute weiss man, dass auch das Bindegewebe eine entscheidende Rolle für Beweglichkeit, Körpergefühl und Wohlbefinden spielt.

Was sind Faszien eigentlich?

Faszien sind ein feines, netzartiges Bindegewebe, das sich durch den ganzen Körper zieht. Sie umhüllen Muskeln, Organe, Sehnen und Bänder und verbinden alles miteinander. Man kann sich Faszien wie ein dreidimensionales Netzwerk vorstellen, das dem Körper Struktur gibt und gleichzeitig Beweglichkeit ermöglicht.

Dieses Gewebe ist reich an Sinnesrezeptoren. Dazu gehören Rezeptoren für die Körperwahrnehmung, aber auch Schmerzrezeptoren. Deshalb können Faszien bei bestimmten Beschwerden eine Rolle spielen, zum Beispiel bei diffusen oder wandernden Schmerzen. Wichtig ist dabei: Schmerzen haben oft mehrere Ursachen, und Faszien sind ein möglicher Teil dieses Zusammenspiels.

Faszien reagieren auf Bewegung

Faszien sind lebendiges Gewebe. Sie passen sich an Belastungen an und reagieren auf Bewegung, Dehnung oder sanften Druck. Dabei werden Zellen im Bindegewebe – sogenannte Fibroblasten – angeregt, die am Aufbau und an der Ausrichtung der Kollagenfasern beteiligt sind. Diese Anpassung geschieht nicht sofort. Der Körper braucht Zeit, um auf Reize zu reagieren. Deshalb ist es oft sinnvoll, intensivere Übungen nicht jeden Tag zu wiederholen, sondern dem Gewebe zwischendurch Zeit zur Regeneration zu geben oder verschiedene Bewegungsformen über die Woche zu verteilen.

Gleichzeitig gilt: Regelmässige, moderate Bewegung ist sehr wichtig. Sie unterstützt den Flüssigkeitsaustausch im Gewebe und hilft, dass Faszien geschmeidig und beweglich bleiben.

Welche Bewegungen besonders gut tun

Faszien reagieren besonders gut auf abwechslungsreiche Bewegungen. Dazu gehören:

  • sanfte Dehnungen
  • Rotationen
  • federnde oder schwingende Bewegungen
  • Bewegungen in verschiedene Richtungen

Eine einfache und sehr wirkungsvolle Übung ist die Rotation der Brustwirbelsäule:
Die Hände werden auf die Schultern gelegt, die Ellbogen bleiben etwa auf Schulterhöhe. Dann dreht man sich langsam und ruhig im Rhythmus der Atmung nach rechts und links. Wichtig ist, die Bewegung angenehm und schmerzfrei auszuführen. Diese Übung eignet sich auch gut für ältere Menschen oder für den Einstieg.

Die Bedeutung der Körperwahrnehmung

In der Kinesiologie spielt die Körperwahrnehmung eine zentrale Rolle. Es geht nicht nur darum, Bewegungen auszuführen, sondern sie bewusst zu spüren:

  • Wo ist Spannung?
  • Wo fühlt sich Bewegung leicht an?
  • Was tut mir gut?

Oft zeigt der Körper sehr klar, was er braucht, wenn man lernt, genauer hinzuhören.

Kollagen – der Baustoff des Bindegewebes

Ein wichtiger Bestandteil der Faszien ist Kollagen. Diese Fasern geben dem Gewebe Stabilität und Zugfestigkeit. Für Elastizität sorgen zusätzlich elastische Fasern und die wasserreiche Grundsubstanz im Gewebe. Je nach Aufgabe eines Gewebes ist dieses Verhältnis unterschiedlich – deshalb sind manche Strukturen eher fest, andere elastischer.

Mein Fazit
Faszien sind ein wesentlicher Teil unseres Körpers und verdienen mehr Aufmerksamkeit. Mit regelmässiger, achtsamer Bewegung, ausreichend Erholung und einer guten Körperwahrnehmung lässt sich viel dazu beitragen, dass dieses Gewebe gesund und beweglich bleibt.

In der kinesiologischen Arbeit zeigt sich immer wieder, wie eng Bewegung, Wahrnehmung und Wohlbefinden miteinander verbunden sind. Oft sind es kleine, bewusste Veränderungen, die langfristig eine grosse Wirkung haben können.

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